Wenn der Bock zum Gärtner wird – Satirische Antwort an Dr. Peter Kottlorz

Oder: wie ein Mann im Auftrag der katholischen Kirche im SWR meint, die Lösung für alles Böse (mit Feuerwaffen) auf der Welt gefunden zu haben.

Der ein oder andere mag den Mann kennen. Mir war er völlig unbekannt: Dr. Peter Kottlorz. Der Sendebeauftragte der katholischen Kirche verbreitet seine geistigen Ergüße im SWR. In einer mehrteiligen Reihe will er Deutschland von den Amokläufen erlösen. Und dafür hat er bereits ein passendes Rezept.

„Eine Waffe ist ein Feind, selbst für ihren Besitzer!“

Dieser Spruch stammt zwar nicht von Kottlorz selber, er nennt ihn aber gleich als Einstieg in seine kleine Weltanschauung. Demnach sind Waffen bzw. “die Erreichbarkeit von Waffen und der geübte Umgang mit ihnen … ein zentrales Element der Amokläufe in Schulen”.

Ganz falsch Herr Kottlorz ! Waffen sind das zentrale Element für fast alle Morde ! Neben Mörders Liebling, dem all-time Klassiker Messer bzw. der “Hieb- und Stichwaffe”, greift der Täter auch gern mal zu Zaunlatten, Eisenstangen, Brandsätzen oder eine Boeing 747. Selbst die von ihnen hoch geschätzten Sportgeräte Wurfpfeil (aka. Dart) haben ihren Ursprung als Waffe.

1,5 Millionen Sportschützen und Sportschützinnen gibt es in Deutschland, 350 000 Jäger, insgesamt rund 7 Millionen legale Schusswaffen in Privatbesitz.Bei diesen Zahlen wundert es einen, dass eigentlich so wenig passiert. Doch wenn etwas passiert, dann meistens etwas so schreckliches wie in Erfurt oder Winnenden.

Auch da liegen Sie leider wieder voll daneben, lieber Herr Kottlorz. Etwas schreckliches passiert in Deutschland nämlich jeden Tag: Schauen Sie doch mal auf die Statistik dieses Blogs. Der Counter steht heute bei 111 Toten seit dem 15.06.2009, dem Start meiner Aufzeichnungen. Und ich gebe zu: ich habe die Presse heute noch nicht bemüht auf der Suche nach neuen Opfern. Dabei weiß ich, daß ich hier nur einen Bruchteil erfassen kann, da viele Taten gar nicht in der Presse erscheinen – so unspektakulär sind Morde in unserer Gesellschaft geworden. Und so oft werden sie vollbracht, ohne daß auch nur ansatzweise eine legal besessene Waffe dafür benötigt wurde!

Wenn aber eine legale Schußwaffe als Mordwaffe herhalten muß – tja dann fühlen sie sich berufen, die Moralapostel, Gutmenschen und ewigen Weltverbesserer. Denn das geht ja gar nicht und ist doppelt hundepfui. Was lernen wir also aus Ihren Ausführungen: Wenn ein Mord mit einer legal besessenen Schußwaffe begangen wird, dann ist er besonders verabscheuungswürdig. Warum? Weil der orginäre Besitzer schon besonders abschäulich ist?

Bei so vielen Menschen, die Zugang zu Waffen haben ist die Chance, dass da auch Gestörte darunter sind eben auch groß.

Ja, Hr. Kottlorz, das ist wie bei Ihnen im SWR: wenn soviele Menschen den Zugang zur medialen Öffentlichkeit haben, wie das im öffentlich-rechtlichen Propagandafunk der Fall ist, ist die Chance das auch Gestörte ihren Stuß ablassen hoch. Eben darum gibt es bei Polemik und Demagogik auch so viele Wiederholungstäter und Trittbrettfahrer.

Natürlich ist nicht jeder Sportschütze ein potentieller Amokläufer.

Danke! Nett, daß Sie wenigstens diese Erkenntnis haben. Es ist ja auch nicht jeder Journalist ein Schmierfink und nicht jeder katholische Priester steht auf kleine Jungs, ebensowenig wie jede Kopftuchmuslima einen Sprengstoffgürtel als Korsett trägt und jeder Arbeitslose die Sozialkasse bescheißt, um mal in der aktuellen politischen Diskussion zu bleiben.

Aber man muss auch sehen: die Erreichbarkeit von Waffen und der geübte Umgang mit ihnen sind ein zentrales Element der Amokläufe in Schulen.

Ja natürlich, da haben Sie völlig recht. Ist das dann das gleiche wie mit den katholischen Pfaffen und den Ministranten? Nach dem Motto: irgendwann platz halt mal die Hose und Übung hat man ja vom Priesterseminar ?
Oder, um bei meinen Beispielen zu bleiben, der Journalist an sich schmiert halt doch meistens ganz gerne, weil Recherche mühsam und langweilig ist und das eigene Weltbild dabei Schaden nehmen kann, wenn am Ende etwas herauskommt, was so gar nicht der eigenen Meinung entspricht?
Und die Kopftuchmuslima im Nachbarhaus neigt ja doch meistens zum Sprengstoffanschlag, da sie im Umgang mit der Burka ´eh schon so viel Übung hat ? (“Jetzt hab´ ich das Ding an, jetzt spreng ich eben mal was in die Luft.”)

Kann es sein, Herr Kottlorz, daß Sie da ein ganz klein wenig rassistisch sind ?

Was also tun um diesem Element von Amokläufen vorzubeugen?  [...] Aber die volle Sicherheit wird es nie geben. [...] Zum Beispiel dadurch, dass keine Waffen mehr in Privathaushalten erlaubt sind. Denn für manche Menschen ist allein die Möglichkeit schon eine Gefahr. Sei es anderen Menschen Gewalt anzutun oder sich selbst.

Gut, gut, gut, daß wurde zwar von ettlichen Fachleuten, Experten, selbst ernannten Experten, Politiker, Menschen die sich für Experten oder Politiker halten und Betroffenen schon durchexerziert, aber wenn Sie meinen, diese “olle Kamelle” nochmals aus dem Hut zaubern zu wollen: NEIN, das ist keine Lösung. Warum? Ich will Ihnen die Spannung nicht nehmen, daß durch eigene Recherche selbst zu erfahren (außerdem will ich heute nochmal fertig werden und nur weil Sie bei der Artikelrecherche Ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben… aber lassen wird das). Als Tipp nenne ich Ihnen jedenfalls  mal den Begriff  “zentrale Aufbewahrung”. Tante Google hilft.

[...] Wodurch sie (die Waffe) ja auch einen Großteil ihrer Faszination erhält. Und solange der Mensch eben so ist, dass er diese Faszination braucht, muss man ihn eben auch vor sich selbst schützen, so gut es geht. [...]

Sicherlich ist der Schutz der potentiellen Täter vor sich selbst und der Umwelt ein zentraler Ansatzpunkt. Faszinierend finde ich dabei allerdings, daß sie diesen Täterschutz soweit ausdehnen wollen, indem Sie unbescholtenen Bürgern ihre Grundrecht wegzunehmen gedenken. Wäre es dann nicht einfacher allen Legalwaffenbesitzern die Waffen wegzunehmen und sie danach zu inhaftieren? Ach nee, sowas ähnliches hatten wir ja schon mal, ging zwar nicht um Waffen sondern um das gesamte Eigentum…

Denn wie im Spruch vom Anfang: eine Waffe ist eben nicht nur ein Sportgerät, sondern auch ein Feind des Menschen, weil mit ihr getötet werden kann. Darum sollten Waffen nur an den Orten aufbewahrt und gesichert werden, an denen sie auch benutzt werden. Damit das Risiko dort bleibt wo es hingehört: bei denen, die schießen.

Na mit diesem Schlußplädoyer schiessen Sie aber arg über das Ziel hinaus, oder nicht ? Und was wird aus den 20 Millionen illegalen Waffen – dürfen die Besitzer diese dann in den Depots mit unterstellen ?

Aber vielleicht haben Sie sogar recht – möglicherweise wäre das sogar die Lösung für alle Probleme in diesem Land, sogar in dieser Welt ? Wir sperren einfach alles und alle ein, dann kann keiner mehr zu Schaden kommen und gerecht wäre es auch: Die Christen in i(I)hre Kirchen, die Moslems in ihre Moscheen, die Schreiberling in ihre Redaktionen, die Politiker in ihre Parlamente und die Sportschützen in Ihre Schießstände.

Das würde dann auch die Welt vor weiteren z.B. religiös motivierten Gewalttaten bewahren, finden Sie nicht auch ?

Dazu biete ich Ihnen eine Wette an: welche Fraktion wird wohl als erste übereinander herfallen und sich selber auslöschen ?

Also ich tippe auf die Politiker, die Journalisten und die Klerikalen – in dieser Reihenfolge.

“Gut Schuß” oder “Waidmansheil” nach BaWü,
wünscht “keine-waffen” ;-)

Den ganzen Artikel zu den o.g. Zitaten findet man unter dem eingangs erwähnten Link beim SWR.

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