Wer eine Frage zuviel stellt…

…macht sich in Deutschland sehr verdächtig. Das mußte ich am eigenen Leibe spüren. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere Leser an die Meldung über den Leichenfund eines 70-jährigen an der Autobahn A5 vom Anfang Juli (siehe z.B. hier und hier).

Diese Meldungen veranlaßten mich dazu, dem zuständigen Beamten (Rainer Müller) im Polizeipräsidium Südhessen eine Anfrage zur Legalität der verwendeten Waffe zu schicken. Denn ich recherchiere gerne bevor ich eine Meldung bringe, was mich – laut zahlreicher Zuschriften – von der Qualitätspresse wohltuend unterscheidet. Die Festnahme der mutmaßlichen Täter (Meldung 2) hätten dazu eine Aussage zugelassen, denn wenn der oder die Täter gefaßt sind, dürfte es kein Problem sein ggf. vorhandene waffenrechtliche Erlaubnisse zu überprüfen.

Was ich allerdings von Herrn Müller als Antwort bekam, war alles andere als informativ – eine Vorladung als “Zeuge” im besagten Mordfall!

Was war geschehen ? Auf den ersten Blick war ich völlig perplex. Dann überkam mich eine unbändige Wut! Sind wir mal wieder soweit in Deutschland – eine harmlose Frage zuviel und schon steht man mit einem Bein im Knast ?!

Zu meinem eigenen Glück erreicht mich das alles, während ich mit einer Erkältung im Bett lag. Rein physisch blieb mir also gar nichts anderes übrig, als diese Sache meinem Rechtsanwalt zu übergeben. Dieser ermittelte bei meiner örtlichen Kripo dann, was die Kollegen in Hessen eigentlich von mir wollten:

- Haben Sie eine Email an Hr. Müller geschickt ?

- Warum ? Was war ihre Intention ? (Bitte genau darlegen!).

- Haben Sie einen Bezug zu dem Verfahren ? Zu beteiligten Personen (Opfer/Täter/Zeugen) ? Welche ?

- Haben Sie Kontakte in den Raum Frankfurt ? Welche ?

- Geben Sie Ihre vollständigen Personalien an, inkl. Beruf, Familienstand, Staatsangehörigkeit

Was uns beide (also meinen RA und mich) brennend interessierte war die Frage, warum man das alles wissen wollte. Die Täter waren laut Meldung doch gefaßt – sonst hätte ich meine Frage doch gar nicht gestellt ?!

Was sollte das ganze also ?

Während ich mich auskurierte, verfaßte mein Anwalt ein adäquates Antwortschreiben um mir ein (völlig sinnloses) Erscheinen auf dem örtlichen PP zu ersparen.

Als ich im Laufe der Woche dann wieder genesen war, recherchierte ich in diesem Fall weiter und stieß dabei auf eine Meldung, die das alles mit einem Schlag erklärte.

Die Stuttgarter Zeitung vermeldete nämlich am 16.07.2010:

Der Mordfall von Magstadt (Kreis Böblingen) weitet sich aus. Wie die Polizei am Donnerstagabend mitteilte, hat es einen weiteren Mord in Hessen gegeben. Mit derselben Waffe, mit der am 8. Mai im Hölzertal der 30 Jahre alte Heiko S. erschossen worden war, ist Polizeiangaben zufolge am 2. Juli auf einem Parkplatz an der Autobahn 5 bei Mörfelden-Walldorf ein 70 Jahre alter Mann getötet worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte ein 33-Jähriger aus Sindelfingen als Hauptverdächtiger im Hölzertalmord bereits seit sechs Wochen in Untersuchungshaft gesessen. Nun scheide er als Tatverdächtiger aus, so die Polizei. Er sei daher am Dienstag entlassen worden. [...]

Quelle: Stuttgarter Zeitung

Mein “Autobahn-Fall” war also Mord Nr. 2 mit der selben Tatwaffe wie in Magstadt! Und: es gab überhaupt keinen gefaßten Täter, d.h. alles war offen – und ich offensichtlich der “Strohhalm” in den Ermittlungen. Tappten die Beamten also völlig im Dunkeln ?

Vor diesem Hintergrund kann ich es den Kripoleuten nachträglich nicht einmal übel nehmen, daß sie mich verdächtigt haben. Wenn man nichts in den Händen hat und dann schreibt so ein Unbekannter eine Email und will auch noch Auskunft zur Il-/Legalität der Tatwaffe haben, erscheint ein Verdacht gar nicht mehr sooo unbegründet. Zumindest aus Sicht der ermittelnden Polizisten.

Nun, dieser Griff ging ins Leere und ich habe richtig reagiert (nicht selber Angaben gemacht, sondern das meinen RA machen lassen). Trotzdem bleibt natürlich ein “G´schmäckle” wie man in Baden-Württemberg (oder Hessen ?) sagen würde. Aufgrund einer harmlosen Email rückt man in den Fokus einer Mordermittlung und muß sich selber Gedanken über Alibis für die entsprechenden Tattage machen!

Lieber Leser, wissen Sie eigentlich noch, was Sie am 08. Mai und am 02. Juli gemacht haben ? Sind Sie vielleicht sogar Besitzer einer (legalen) Schusswaffe ?

…seien Sie also vorsichtig, wenn Sie das nächste Mal eine Frage stellen. Es könnte die Falsche sein.

—————————————————————————————————————

P.S.: Von hier aus einen herzlichen Gruß nach Hessen zu Herrn Rainer Müller und
das zuständige Präsidium. Ich habe wirklich nichts mit dem Fall zu tun.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Kollegen einen schnellen Ermittlungserfolg,
damit dieser Mörder hinter Gittern kommt.
Egal ob die Waffe legal oder illegal war.

…aber wenn sie illegal war, sagen Sie mir dann bescheid ?
;-)

Ein Kommentar zu Wer eine Frage zuviel stellt…

  1. Der Rechtsanwalt sagt:

    Der Schritt vom Zeugen zum Verdächtigen ist nicht weit. Der Schritt zurück umso weiter.

    Das gegen Dich angestrengte Verfahren zeigt nunwieder die unbedingte und allumfassend notwendige Überwachung aller legalen Waffenbesitzer. Diese könnten ja unbequeme Fragen stellen.

    Eigentlich denke ich, dass der Überbringer der schlechten Nachrichten sich Nachstellungen ausgesetzt sieht.

    Noch eine weitere Lehre ist daraus zu ziehen. => So schnell kann es gehen. Aber erinnern wir uns doch an die SoKo mit den getöteten Imbiss-Besitzern. Dort tappt leider die Polizei auch im Dunkeln.

    Der Polizei wünsche ich in diesem Fall einen schnellen und guten Erfolg.

    Der Rechtsanwalt

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>