Unterhaltung am Gartenzaun – vom Umgang mit Waffenhassern

Neulich traf ich einen Nachbarn, der einige Häuser entfernt wohnt. Er sah wie ich gerade dabei war den Kofferraum meines Mittelklasse-PKW geschickt mit den für die Bezirksmeisterschaft notwendigen Feuerwaffen (in Taschen) und Munition (in Kiste) zu beladen. Kein einfaches Unterfangen, denn selbstverständlich wurde alles gesetzeskonform und vorschriftsmäßig getrennt und verschlossen (also abgeschlossen mit einem Schloss) transportiert. Ein Räuber hätte mich also – entgegen der “latent vorhandenen Gefährdung” durch meine Feuerkraft und glaubt mir: die war nicht von schlechten Eltern – ganz einfach ausrauben können. Es war ja all das nicht “zugriffsbereit”. Was tut man nicht alles um gesetzeskonform zu sein. Aber zurück zum Thema.

Nun, dieser Nachbar sah mich beim Beladen und sprach mich an. Wohl aus Neugier ob ich zum Angeln oder Musizieren gehen würde. Als ich ihm sagte, dass ich zum Schiesswettkampf gehe wurde er blass und trat unvermittelt einen Schritt zurück.

Dann entstand folgender Dialog.

“Ich dachte Sie wären ein intelligenter junger Mann …?!” entfuhr es ihm, als ich (eiskalt) lächelnd mit der Beladung weitermachte.

“Ja, wieso nicht? Ich denke schon, dass ich anhand meiner Schul- und Berufsausbildung im oberen Durchschnitt angesiedelt bin, was die geistige Leistungsfähigkeit angeht. Aber warum fragen Sie mich das?” war meine Antwort.

“Na, Sie haben da doch WAFFEN und gehen jetzt zum SCHIESSEN! Kein normaler Mensch würde sowas machen. Wenn hier alle mit Waffen rumrennen würden, es gäbe nur noch Mord und Totschlag! Man muß das doch nicht haben, wozu gibt es die Polizei?”

Ich seufzte. Mir war klar welche Sorte Mensch hier vor mir stand: ein Waffenhasser.

“Was haben Sie denn gegen Waffen? Das sind doch für sich genommen tote Gegenstände.” fragte ich ihn.

“Na das ist doch wohl klar: Ich habe keine Lust umgebracht zu werden, nur weil mein Nachbar vielleicht einen schlechten Tag hat.” bekam ich zur Antwort.

“Warum denken Sie, dass ich Sie umbringen will?”

“Ach, Sie doch nicht! Aber die anderen! Vielleicht…”

“Welche anderen?”

“Na all die anderen, die auch Waffen haben.”

“Haben Sie wirklich Angst davor von einem legalen Waffenbesitzer umgebracht zu werden?”

“Mmmh, ja, irgendwie schon, denken Sie mal an Winnenden oder Erfurt und wenn man sich vorstellt, dass hier noch mehr Leute Waffen haben…”

“Haben aber nicht. Es gibt in Deutschland nur ca. 2-3 Millionen Waffenbesitzer, das sind 2-3% der Gesamtbevölkerung. Und selbst wenn: mit legalen Schusswaffen werden nur 0,03% aller Tötungsdelikte begangen. Die meisten davon sind erweiterte Suizide.”

“Na sehen sie, erweiterte Suizide!”

“Ja. Aber erstens würden bei diesen Fällen die Tatwaffen substituiert werden, wenn es keine Schusswaffen gäbe und die Tat selbst bliebe nicht verhindert. Zweitens müssten wir verheiratet sein oder zumindest zusammen leben, damit Sie in Gefahr wären. Wollen Sie das?”

“Was?”

“Mit mir leben?”

“Ich? Nein! Wieso?

“Damit ich sie bei einer Wahrscheinlichkeit von 0,0015% mit meinen Waffen erschiessen kann…”

“Sind Sie verrückt? Nein! Das ist ja furchtbar, was sie da erzählen!”

“Nein, ist es nicht. Ganz im Gegenteil: die Wahrscheinlichkeit, dass Herr B. (der andere Nachbar des Nachbarn) Sie mit seinem Auto überfährt ist um den Faktor 10.000 höher.”

“Wie bitte…?”

“…ja, und geben Sie Acht auf Ihre Frau. Es kann sein, dass diese Sie – rein statistisch – mit einer Axt erschlägt, oder ersticht…”

“Hören Sie auf, warum sollte sie das tun?!”

“Nun statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit überfahren oder vom Partner mit einer Hieb- und Stichwaffe ermordet zu werden, um einige Tausenderpotenzen höher, als Opfer eines Schusswaffenmißbrauchs zu werden… Besonders Raubkriminalität hat zugenommen, in den eigenen vier Wänden und gegen alte Menschen.”

Mein Nachbar (schon reich an Lenzen) schluckt und schaut hektisch nach allen Seiten. Er tut mir nun fast leid, denn er wirkt sehr verängstigt. Das war ja nicht meine Absicht. Schliesslich schaut er mich an und wird sehr ernst.

“Glauben Sie wirklich, meine Frau will mich umbringen? …oder der Dieter, mein Nachbar?” fragt er mich plötzlich unvermittelt.

“Nein, wieso sollten sie? Haben Sie denn eheliche Probleme oder Streitigkeiten mit dem Nachbarn?”

“Nein, nein, eigentlich nicht, aber Sie sagen doch die Wahrscheinlichkeit…!”

“Ja, aber seien Sie ganz beruhigt…”

“Wie sollte ich… wie soll ich denn jetzt noch ruhig schlafen! Neulich auf dem Garagenhof, da hat der Dieter beim rangieren und ich…”, seine Stimme überschlägt sich nun fast wieder, als er weiterredet: “…und die Luise, die kam gestern in das Wohnzimmer und fragt mich, wie ich denn den Braten haben will und dabei hat sie dieses große Fleischermesser…”

“Ja, Küchenmesser sind die Mordwaffe Nr. 1 in Deutschland…” unterbreche ich ihn kurz.

“SEHEN SIE ! SEHEN SIE ! Jetzt sagen Sie es selber ! Ich muß mich schützen! Was soll ich nur machen?!”

“Gehen Sie doch zur Polizei.” schlug ich ihm vor.

“Was?!Wieso?!””

“Haben Sie doch vorhin selber gesagt.”

“Ich? Achso… ja aber was… das bringt doch nichts. Wenn die Luise das nächste Mal… bis die da sind ist doch schon alles zu spät. Nein, ich brauche was anderes! Ich brauche eine Waffe! Eine Schusswaffe!”

“Wozu?”

“Um mich zu schützen!”

“Vor wem?”

“Na vor den Mördern – und vor meiner Frau!”

“Und ich darf aber keine Waffen besitzen, und ihr Nachbar, der Dieter, auch nicht…?”

“NEIN! Auf keinen Fall!”

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Sie haben es wahrscheinlich schon gemerkt. Ich habe die Unterhaltung etwas zugespitzt. Des Pudels Kern ist aber gleich und Diskussionen mit Waffenbesitzern laufen immer nach einem bestimmten Schema ab. Um hier die Oberhand zu behalten ist das Wissen um Fakten wichtig. Aber auch der richtige Umgang, Ton und: das Wissen um die Waffenhasser-Menatalität.

Bei meinen Internetrecherchen stieß ich einmal auf einen Artikel von Dr. Sarah Thompson. Sie ist “Executive Director” der “Utah Gun Owners Alliance” und Medizinerin. In ihrem Artikel (auf Englisch) befasst sie sich sehr eindrucksvoll mit der Psyche des Waffenhassers und gibt dem versierten Waffenbesitzer, aber auch dem weniger gewandten Redner, einige wertvolle Tips zum Umgang mit dem “homo hoplophobicus” an die Hand.

Kostprobe:

About a year ago I received an e-mail from a member of a local Jewish organization. The author, who chose to remain anonymous, insisted that people have no right to carry firearms because he didn’t want to be murdered if one of his neighbors had a “bad day”. (I don’t know that this person is a “he”, but I’m assuming so for the sake of simplicity.) I responded by asking him why he thought his neighbors wanted to murder him, and, of course, got no response. The truth is that he’s statistically more likely to be murdered by a neighbor who doesn’t legally carry a firearm[1] and more likely to be shot accidentally by a law enforcement officer.[2]

How does my correspondent “know” that his neighbors would murder him if they had guns? He doesn’t. What he was really saying was that if he had a gun, he might murder his neighbors if he had a bad day, or if they took his parking space, or played their stereos too loud. This is an example of what mental health professionals call projection – unconsciously projecting one’s own unacceptable feelings onto other people, so that one doesn’t have to own them.[3] In some cases, the intolerable feelings are projected not onto a person, but onto an inanimate object, such as a gun,[4] so that the projector believes the gun itself will murder him. […]

Link zum ganzen Artikel: “Raging against self defense”

Sollte der Artikel abhanden kommen, kann ich eine PDF-Version zur Verfügung stellen.

2 Kommentare zu “Unterhaltung am Gartenzaun – vom Umgang mit Waffenhassern

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